Warum ist die Wurmkur beim Pferd so wichtig?
Pferde sind nahezu ihr gesamtes Leben lang dem Risiko eines Wurmbefalls ausgesetzt. Parasiten wie kleine und große Strongyliden, Spulwürmer, Bandwürmer oder Magendasseln können die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden deines Pferdes erheblich beeinträchtigen. Eine regelmäßige und gezielte Entwurmung ist daher ein zentraler Bestandteil der Pferdegesundheit.
Die häufigsten Darmparasiten beim Pferd
Folgende Parasiten sind bei Pferden besonders verbreitet:
- Kleine Strongyliden (Zygocoten): Die häufigsten Parasiten bei adulten Pferden. Ihre Larven können sich in der Darmwand einkapseln und bei Massenausschlupf lebensbedrohliche Koliken verursachen.
- Große Strongyliden (Strongylus vulgaris): Wandern durch die Blutgefäße und können schwere Schäden an der Darmversorgung verursachen.
- Spulwürmer (Parascaris equorum): Vor allem bei Fohlen und Jungpferden ein Problem.
- Bandwürmer (Anoplocephala): Können Koliken und Darmverschlüsse begünstigen.
- Magendasseln (Gasterophilus): Larven heften sich an die Magenschleimhaut und verursachen Reizungen.
Gezielte Entwurmung statt Routineentwurmung
Moderne Empfehlungen setzen auf eine gezielte, befundorientierte Entwurmung anstelle der früher üblichen Routineentwurmung alle 8–12 Wochen. Der Grund: Resistenzentwicklungen bei Parasiten nehmen zu. Durch den gezielten Einsatz von Entwurmungsmitteln wird die Resistenzbildung verlangsamt.
Das Vorgehen in der Praxis:
- Kotprobe (Eizahlreduktionstest, EZR): Vor der Entwurmung wird eine Kotprobe untersucht, um die Eiausscheidung (Eier pro Gramm Kot, EPG) zu bestimmen.
- Einteilung in Ausscheider: Pferde mit <200 EPG gelten als Niedrigausscheider, 200–500 EPG als Mittelausscheider, >500 EPG als Hochausscheider.
- Entwurmung nach Befund: Nur Mittel- und Hochausscheider werden entwurmt. Niedrigausscheider werden regelmäßig kontrolliert.
- Strategische Entwurmung: Einmal jährlich (Herbst/Winter) wird gegen Bandwürmer und Magendasseln entwurmt – unabhängig vom Kotbefund.
Wirkstoffe im Überblick
Die gängigen Wirkstoffe in Pferdeentwurmungsmitteln sind:
- Ivermectin: Wirkt gegen Strongyliden, Spulwürmer, Magendasseln (Larven L3/L4) und Haarlinge. Kein Effekt gegen Bandwürmer.
- Moxidectin: Ähnliches Wirkspektrum wie Ivermectin, zusätzlich wirksam gegen eingekapselte Larven kleiner Strongyliden.
- Pyrantel: Wirkt gegen Strongyliden, Spulwürmer und Bandwürmer (doppelte Dosis).
- Fenbendazol: Wirkt gegen Strongyliden und Spulwürmer; bei Resistenzen oft eingeschränkt wirksam.
- Praziquantel: Spezifisch gegen Bandwürmer; häufig in Kombination mit Ivermectin oder Moxidectin.
Wann und wie oft entwurmen?
Ein bewährter Entwurmungsplan sieht so aus:
- Frühjahr (März–April): Kotprobe; bei Bedarf Entwurmung mit Ivermectin oder Moxidectin.
- Sommer (Juni–August): Kotprobe; Entwurmung nur bei Mittel-/Hochausscheidern.
- Herbst (Oktober–November): Strategische Entwurmung gegen Bandwürmer und Magendasseln (Ivermectin + Praziquantel oder Moxidectin + Praziquantel).
- Fohlen: Erste Entwurmung ab der 4.–8. Lebenswoche, danach engmaschige Kontrolle.
Tipps zur richtigen Anwendung
- Dosierung immer nach dem aktuellen Körpergewicht berechnen (Gewichtsband oder Waage nutzen).
- Entwurmungsmittel nüchtern verabreichen für bessere Wirksamkeit.
- Alle Pferde einer Herde gleichzeitig entwurmen, um Reinfektionen zu vermeiden.
- Nach der Entwurmung Wirksamkeit durch eine Kontrollkotprobe (14 Tage später) überprüfen.
- Weidehygiene beachten: Kot regelmäßig von der Weide entfernen.
Resistenzen – ein wachsendes Problem
Resistenzen gegen Entwurmungsmittel – insbesondere gegen Benzimidazole (Fenbendazol) – sind bei kleinen Strongyliden weit verbreitet. Deshalb ist der Einsatz von Kotproben und Wirksamkeitskontrollen so wichtig. Wechsle Wirkstoffe nicht wahllos, sondern nur auf Basis von Befunden und tierärztlicher Empfehlung.
Fazit
Eine durchdachte, gezielte Entwurmungsstrategie schützt dein Pferd effektiv vor Parasitenbefall – ohne unnötige Resistenzförderung. Lass regelmäßig Kotproben untersuchen, arbeite eng mit deinem Tierarzt zusammen und achte auf eine gute Weidehygiene. So bleibt dein Pferd gesund und leistungsfähig.